Old-Delhi: Tempel, Chaos und Gewürze

Am Abend vor unserer Abreise aus Goa hatten wir erfahren, dass am nächsten Tag ein landesweiter Taxistreik stattfinden soll. „Super!“, haben wir uns da gedacht, „wie sollen wir denn dann zum Flughafen kommen?“. Aber wir konnten auf das nette Personal in unserer Unterkunft zählen (die beiden Jungs vom Restaurant sind nach 2 Wochen schon fast sowas wie Freunde geworden). Die haben mal schnell für uns einen privaten Fahrer organisiert, der uns in seinem Privatauto zum Flughafen gebracht hat. War natürlich etwas teurer als der ursprünglich ausgemachte Preis, das versteht sich von selbst.  Auf der Fahrt wurden dann alle Fensterscheiben mit Sonnenblenden versehen und unser Fahrer musste uns einige hundert Meter vom Flughafen entfernt an der Straße rauslassen, keine Ahnung ob er sonst eventuell Ärger bekommen hätte. Also machten wir uns mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken an der vielbefahrenen Straße auf den Weg zum Flughafen. Was wir dort dann gelernt haben: An einem indischen Flughafen muss man extrem viel Zeit mitbringen! Das einchecken am Schalter dauert ewig, Gepäck scannen dauert ewig, Security check (Männer und Frauen sind hier immer getrennt, man muss sich also in unterschiedlichen Schlangen anstellen) dauert auch ewig. Auch bei einem Inlandsflug kann man also nicht erst kurz vor knapp dort auftauchen. Unser Indigo Flug hatte dann auch eine Stunde Verspätung und so sind wir erst am späten Abend in Delhi angekommen. Mit dem Taxi ging es dann zu unserem Hotel Thikana in einer wirklich schönen Gegend von New-Delhi (Green Park neben Hauz Khas). Das Hotel wird von Atul und seiner Frau Sheetal geführt, die beiden wohnen mit ihren zwei Töchtern in der unteren Etage des Hauses, die oberen beiden Etagen werden von den Gästen bewohnt und auf dem Dach gibt es eine tolle Dachterrasse. Wir fühlen uns hier sofort wie Zuhause und lernen während unserer Zeit dort viele nette und interessante Menschen kennen. Z.B. Indira und John, die ursprünglich aus Indien kommen, jedoch in Sydney leben. Beide sind schon über 70 und bereisen noch munter die ganze Welt. Wir sind uns sofort so sympathisch, dass die beiden uns zu sich zum Essen einladen, wenn wir im Oktober in Australien sind.

Insgesamt haben wir zwei volle Tage in Delhi und einen Tag an dem wir einen Ausflug nach Agra zum Taj Mahal geplant haben. An unserem ersten Tag in Delhi wagen wir uns in die Altstadt – Old Delhi. Wir machen uns vom Hotel auf den Weg zur Metrostation. Delhi besitzt eine ziemlich neue, erstaunlich saubere und klimatisierte Metro. Ein Tagesticket kostet 150 Rupien (ca. 2€) und man kommt so ziemlich überall hin. Wir nutzen die Metro viel und gerne, da man sich so die nervigen Verhandlungen mit den Taxifahrern sparen kann. Zuerst besichtigen wir das Red Fort (das Rote Fort), das seinen Namen der charakteristischen roten Farbe des verwendeten Sandsteins verdankt. Es ist eine Festungsanlage aus der Zeit des Mogulreichs und wurde im 17. Jahrhundert für den Mogulkaiser Shah Jahan erbaut (auch der Erbauer des Taj Mahal). Im Inneren der Anlage befinden sich einige Palastgebäude, seit 2007 gehört es zum UNESCO Weltkulturerbe. Es ist UNGLAUBLICH heiß. In Delhi ist jetzt Sommer und die Temperaturen steigen immer mehr an. Im April, Mai und Juni sind Temperaturen um die 40°C keine Seltenheit. Ende Juni fängt dann die Monsunzeit an und die Temperaturen fallen wieder. Wir schlendern einige Zeit durch die schöne Parkanlage und bewundern die Palastgebäude.

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Das Red Fort in Delhi

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Als wir den großen Platz vor dem Red Fort verlassen wollen spricht uns ein Rikschafahrer an. Er bietet uns eine Tour durch Old Delhi an und nachdem wir den Preis verhandelt haben, willigen wir ein. Das Herz von Old Delhi ist der Chandni Chowk, einer der ältesten Märkte in diesem Teil der Stadt. Durch die engen Gassen (auch galis genannt) kommt man nur zu Fuß oder mit der Rikscha. Es ist unglaublich laut, hektisch und viele Eindrücke prasseln auf einmal auf uns ein. Verschiedene Gerüche, Geräusche, Menschen, Tiere, verschiedenes Essen etc. In jeder der Gassen befindet sich ein anderer Basar, es gibt eine Straße für Silber, eine für Schmuck, eine für Kleidung, Saris, eine für Hochzeitsartikel usw. Der wohl berühmteste Basar ist der Spice Market, hier findet man alle Gewürze die man sich vorstellen kann. Unser Rikschafahrer führt uns über eine Treppe auf eine Aussichtsplattform, von der man einen tollen Ausblick auf den Chandni Chowk hat. Auf dem Weg dorthin, müssen wir an der Chili-Abteilung des Gewürzmarkts vorbei. Die Schärfe die in der Luft liegt lässt alle um uns herum husten und nießen, ich kann den Geschmack der Chilis auf meinen Lippen schmecken. Bald können auch wir uns nicht mehr dagegen wehren, unsere Nasen laufen und unsere Augen tränen.

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Ausblick aus der Rikscha
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Chaos in Old-Delhi

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Der Gewürzmarkt
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Die Chili-Abteilung
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Caro versucht sich gegen die Chilis zu schützen

Zwischen all dem Treiben auf dem Chandni Chowk befindet sich an jeder Ecke ein Tempel, eine Mosche oder eine Kirche. Hinduismus, Islam, Christentum, Sikhismus, Buddhismus und Jainismus – alles findet man hier auf engstem Raum. Wir besichtigen einen alten Jain-Tempel, der sich in einer unscheinbaren Nebenstraße befindet. Leider ist es nicht erlaubt zu fotografieren, was wirklich sehr schade ist, da das Innere wunderschön gestaltet ist. Farbenfrohen Bilder, viel Marmor, Gold, Silber und Wände voll mit Mosaik. Wer Lust hat einen Blick ins Innere zu werfen, hier auf dieser Seite finden sich einige Bilder: http://www.thedelhiwalla.com/2012/06/15/city-monument-jain-svetambar-temple-kinari-bazaar/

Der Jainismus ist eine Religion in Indien, die vollkommene Gewaltlosigkeit predigt. Nur 0,5% der indischen Bevölkerung gehören dieser Religion an. Es ist eine der ältesten Religionen der Welt die von Mahavira, der auch “Jina” genannt wird, gegründet wurde. Daher stammt auch der Name “Jain” als jemand, der die Lehren von Jina befolgt. Die Jains folgen den Lehren der Tirthankaras, von denen es 24 gibt. Innerhalb des Jainismus gibt es zwei unterschiedliche Sekten, die Digambara und die Svetambara. Der Tempel den wir besucht hatten gehört zu den Svetambara. Beide Sekten stützen sich auf die gleiche Glaubenslehre, Unterschiede sind z.B., dass die Digambara teilweise oder vollständig nackt leben, da sie allem Besitz entsagen. Für die Svetambara ist dies nicht notwendig, sie tragen immer weiße Kleidung.

Weiter geht es zum Sikh-Tempel Gurudwara Sis Ganj Sahib. Wir müssen unsere Schuhe ausziehen und beide ein Tuch über unseren Kopf legen. Das Innere des Tempels ist aus Marmor, rote Teppiche mit schönen Mustern liegen überall aus, ein großer Kronleuchter hängt in der Mitte des Raums, sehr viel Gold um Blumen schmücken den „Altar“. Der Sikhismus wurde im 15. Jahrhundert von Guru Nanak gegründet, heute gibt es weltweit etwa 20 Millionen Gläubige, die meisten davon in Indien. Mit der neuen Religion wollte er eine Verbindung zwischen Hinduismus und Islam schaffen. Die Sikhs glauben nur an einen Gott und streben die Gleichberechtigung aller Menschen und Geschlechter an (ein Kastenwesen existiert für sie nicht). Die Männer tragen lange Haare, die mit einem speziellen Kamm (Kangha) gekämmt und unter einen Turban gesteckt werden. Zudem tragen sie immer einen Krummsäbel bei sich.

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Im Inneren des Sikh-Tempels
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Der “Altar”

Unsere letzte Station in Old-Delhi ist die Jama Masjid, die größte Moschee in Indien. Da Lenny eine kurze Hose anhat, muss er seine Beine mit einer Art Rock bedecken. Von einem Aussichtsturm im Inneren der Moschee hat man einen schönen Ausblick über Old-Delhi. Beim Betreten werden wir von einem älteren Mann abgepasst, er kann kein Englisch und versucht uns mit Zeichensprache und undefinierbaren Lauten klar zu machen, dass wir ihm folgen sollen. Wir sind erstmal so perplex, dass wir das auch tun. Er führt uns in der Moschee herum und macht immer wieder Bilder von uns. Nach einer Weile wird uns klar, dass dies keine reine Nettigkeit ist. Am Ende der Tour verlangt er 500 Rupien, was wir nicht bezahlen wollen. Nach ein paar Diskussionen geben wir ihm 100 Rupien und machen uns aus dem Staub.

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Lenny mit Rock
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Caro und unser “Guide”
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Ausblick über Old-Delhi, rechts sieht man das Red Fort

Au dem Weg zurück zur Metrostation verlaufen wir uns und landen in einem kleinen, geschlossenen Markt für Elektroartikel. Die Wege sind so schmal, dass keine zwei Personen aneinander vorbei passen. Wir sind gefangen in einem Labyrinth. Keiner hier spricht Englisch und kann uns weiterhelfen. Nach 10 min bin ich am Verzweifeln und finde mich damit ab, nie wieder hier raus zu kommen. Doch Lenny findet zum Glück den Weg und dann auch die Metrostation.

Namasté! Caro & Lenny

One thought on “Old-Delhi: Tempel, Chaos und Gewürze

  1. Hallo Ihr 2, wieder ein toller Bericht und klasse Bilder !!! Weiter so und für Euch alles Gute und neue
    Erlebnisse 🙂 !!!! Namaste! Ralf

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