Taj Mahal (Agra): Eine Träne auf der Wange der Zeit

Das Taj Mahal war eines der Dinge, auf das ich mich während unserer Reise durch Indien am meisten gefreut hatte. In der Zeit als ich an meiner Zulassungsarbeit (mit dem Thema „Frauen in Indisch-Englischer Literatur“) gearbeitet habe, war das Hintergrundbild an meinem PC ein Bild des Taj Mahals. Immer wenn es mal nicht mehr so gut lief oder ich einfach absolut keine Lust mehr auf Schreiben hatte, hab ich mir das Bild angeschaut und daran gedacht wie ich selbst bald davor stehe (wenn ich nur endlich diese Arbeit fertig bekomme). Und am zweiten Tag in Delhi sollte dieser Traum endlich wahr werden. Morgens um 6.30 Uhr wurden wir von einem Fahrer abgeholt. Nach einer dreistündigen Fahrt auf dem neuen, sechsspurigen Yamuna Expressway, der Delhi und Agra verbindet, kommen wir in Agra an. Agra ist wirklich keine schöne Stadt. Irgendwo habe ich gelesen, dass es sogar „die dreckigste Stadt überhaupt“ sein soll – das kommt so ziemlich hin, überall liegen Berge von Müll. Der Expressway endet abrupt und wird zu einer holprigen, staubigen Straße. Der Verkehr ist noch chaotischer als sonst in Indien und die Verhältnisse in denen die Menschen hier leben kann man nur mit dem Begriff „unmenschlich“ beschreiben. Wie immer in Indien ist nicht ganz nachzuvollziehen, warum bei jährlichen Besucherzahlen von rund 3 Millionen und einem Eintrittspreis von ca. 13 €, nicht in die Infrastruktur und in die Menschen vor Ort investiert wird.

Wir werden von unserem Fahrer zu einem Luxushotel gefahren um dort unseren Guide abzuholen. Dann geht es erstmal Tickets kaufen, für Ausländer kostet der Eintritt seit 1. April 1000 Rupien (davor waren es 750 Rupien). Inder bezahlen 40 Rupien. Wir werden mit zwei anderen ausländischen Pärchen in ein Golf Caddy gesetzt und zum Eingang des Taj Mahals gefahren. Auf dem Weg zum Eingang trifft man auf sehr penetrante Verkäufer, die einem Postkarten, Schmuck und sonstigen Mumpitz verkaufen wollen. Nach der obligatorischen Sicherheitskontrolle haben wir es geschafft – wir sind drin! Aber erstmal nur in einer Art Vorhof mit Parkanlage, vom Taj Mahal selbst ist noch nichts zu sehen. Trotzdem ist die Atmosphäre gleich eine andere, es ist auf einmal sehr ruhig und man vergisst langsam den ganzen Trubel, der sich draußen vor dem Eingang und in der Stadt abspielt. Überall ist man umgeben von grünen Bäumen und beeindruckender Architektur aus der Mogulzeit. Unser Guide ist sehr nett, er weiß sehr viel, spricht gut Englisch und erzählt uns einige interessante Dinge. Durch das große Haupttor im Osten gelangt man zum Taj Mahal. Oben auf dem Tor befinden sich jeweils vorne und hinten 11 kleine Spitzen, sie sollen für die 22 Jahre Bauzeit des Taj Mahals stehen. Und dann ist es auf einmal direkt vor einem, eines der beeindruckendsten Liebeserklärungen der Menschheit. Der weiße Marmor des Taj Mahals strahlt in der Sonne und durch den Kontrast zum strahlend blauen Himmel wirkt es noch majestätischer. Wir machen natürlich das, was alle Touristen machen – sehr viele Fotos. Wir schaffen es sogar ein paar Bilder auf der berühmten „Diana Bank“ zu machen. Danach besichtigen wir das innere des Mausoleums. Im Mausoleum werden nur die Nachbauten der Gräber von Shah Jahan und Mumtaz Mahal ausgestellt, die Originale befinden sich unter dem Gebäude. Danach schlendern wir noch durch die Parkanlage und lassen einfach das Gebäude auf uns wirken. Links vom Taj Mahal befindet sich noch eine Moschee, die nur freitags zum Gebet öffnet (an diesem Tag ist das Taj Mahal nicht für Besucher geöffnet). Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Guest House, es ist der Symmetrie wegen genauso gestaltet wie die Moschee.

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Der Weg zum Taj Mahal
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Lenny und Ich vor dem Eingangstor zum Taj Mahal
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Da ist es!

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Lenny und Ich auf der berühmten “Diana Bank”

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Verzierungen im Marmor

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Yamuna River
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Die Moschee
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Das Guest House

Das Taj Mahal wurde von Großmogul Shah Jahan für seine Lieblingsfrau Arjumand Bano Begum erbaut. Sie erhielt von ihm den Namen Mumtaz Mahal, was übersetzt etwa „Juwel des Palasts“ bedeutet. Sie verstarb während der Geburt ihres 14. Kindes. Taj Mahal bedeutet übersetzt „Kronen-Palast“. In einem seiner Gedichte beschreibt der bengalische Dichter Rabindranath Tagore das Taj Mahal als „eine Träne auf der Wange der Zeit“. Hier ein Ausschnitt des Gedichts (in deutscher Übersetzung):

Eines wuβtest du, Gebieter Indiens, Shāh-Jāhān:

Leben, Jugend, Reichtum, Ehre

treiben in der Strömung der Zeit davon.

Dein einziges Streben war es darum,

das Leid deines Herzens unsterblich zu machen.

Mag des Königs Stärke, streng wie Donner,

in Schlummer sinken

wie das Abendrot in die Nacht;

ein tiefer Klagelaut

soll nur ewig schwingend

den Himmel mit Trauer füllen,

Der Überfluβ von Perlen, Rubinen, Diamanten

ist wie die Zauberfarben

des Regenbogens über dem weiten Horizont;

mag er schwinden –

doch bleiben soll die

eine Träne auf der Wange der Zeit,

weiβ und glänzend hell:

dieser Tāj Mahal.

(Quelle)

Den Rest des Tages haben wir damit verbracht, von unserem Fahrer und unserem Guide zu diversen Shops gefahren zu werden um uns das Kunsthandwerk (Stickereien, Marmor etc.), für das Agra so bekannt ist, anzuschauen. „Only see, no need to buy!“ Am Ende jeder Vorführung wurden wir dann aber doch immer in einen Verkaufsraum gebracht. Nachdem wir dann zum Mittagessen in ein ziemlich überteuertes Restaurant gebracht wurden, haben wir danach nett und freundlich zu verstehen gegeben, dass wir jetzt doch gerne zurück nach Delhi wollen. Wir hatten uns auch dafür entschieden, das Red Fort in Agra nicht anzuschauen, da wir das in Delhi bereits gesehen hatten. Beide sind absolut identisch.

Namasté! Caro & Lenny

3 thoughts on “Taj Mahal (Agra): Eine Träne auf der Wange der Zeit

  1. Hallo ihr 2, folge Euch weiter und bin begeistert von Eurem Bericht, den Bildern und der monumentalen
    Darstellung der Liebe durch das Taj Mahal und das Gedicht!!!!! Es freud mich daß Eure Reise weiterhin
    so schön und eindrucksvoll für Euch und damit auch für mich, uns ist !! Hoffe es bleibt dabei,Ihr
    gesund, munter und genau so gespannt auf den nächsten Abschnitt, Euer “Verfolger” !!!!
    Namaste, Ralf

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