Ghorepani Poon Hill Trek

Mit dem Bus ging es für uns früh morgens um 7.00 Uhr los Richtung Pokhara. Die Strecke zwischen Kathmandu und Pokhara beträgt ca. 200 km, mit dem Bus braucht man jedoch 6-8 Stunden bis man sein Ziel erreicht hat. Das liegt zum einen an den nicht besonders guten Straßen, die sich, mal bergauf mal bergab, durch die Landschaft schlängeln, und zum anderen an dem regen Verkehr der auf dieser Strecke herrscht: Viele weitere Touristenbusse, kleine Transporter, LKWs, Autos, Motorräder – alle drängen sich auf der engen Straße. Die Bremsen des Busses quietschten beim bergab fahren, manchmal schaute man aus dem Fenster und es ging ohne Absperrung einfach senkrecht abwärts, Überholmanöver kurz vor oder in einer Kurve waren auch keine Seltenheit. Nichts für schwache Nerven! Unser Busfahrer war aber sehr gemächlich unterwegs und man hatte das Gefühl, dass man ihm vertrauen kann. Nach acht Stunden kamen wir dann auch in Pokhara an. Dort wurden wir am Busbahnhof von unserem Guide Ramchandra (Spitzname: Ram) abgeholt. Wir hatten ihn schon in Indien per Mail kontaktiert (nachdem wir seine Seite im Internet gefunden hatten) und mit ihm die Trekking-Tour ausgemacht. Er ist ein privater Guide und nicht über eine Travel Agency gebucht, falls jemand mal einen wirklich guten und erfahrenen Guide für Nepal braucht, hier ist seine Adresse. Ram brachte uns mit einem Taxi zu unserem Hotel, wo wir erstmal eincheckten und mit ihm alles Weitere für den nächsten Tag und unsere Tour besprachen. Bei uns beiden machte sich dann der Hunger bemerkbar und wir machten uns auf in die Innenstadt und suchten uns erstmal was zu Essen. Den restlichen Tag verbrachten wir damit uns Pokhara ein bisschen genauer anzuschauen, am Phewa-See entlang zu schlendern und der Live-Musik zu lauschen. Am nächsten Morgen um 8.00 Uhr war es dann so weit, nach dem Frühstück ging es los zu unserer Tour. Von Pokhara ging es mit dem Taxi, einem sehr witzigen Taxifahrer, unserem Guide Ram und unserem Porter Bisal (der Träger unseres Rucksacks) nach Nayapul, der Ort von dem aus die meisten Touren in der Annapurna Region starten. Leider hatte Lenny immer noch Probleme mit seinem Magen und ich an diesem Morgen irgendwie auch. Bei mir war es aber mit einer Immodium getan, für Lenny mussten härtere Geschütze aufgefahren werden. Deshalb hielten wir an einer Apotheke und Ram erklärte der Apothekerin das Problem. Die holte dann auch gleich zielstrebig eine Packung mit Tabletten aus einem der Schränke (ohne Verpackung oder Packungsbeilage). In Nepal bekommt man so gut wie alles rezeptfrei in der Apotheke, ohne vorher jemals einen Arzt gesehen zu haben. Im Internet hatten wir vor unserer Reise gelesen, dass sehr gerne und für so ziemlich alles gleich mal Antibiotika verteilt wird. Deshalb fragten wir in der Apotheke auch gleich nach, ob es sich bei diese Tabletten denn um Antibiotika handle. Die Apothekerin verneinte, wir glaubten ihr, kauften die Tabletten und setzten unsere Fahrt fort. Erst ein paar Tage später, nachdem wir mal wieder Internet in einer der Unterkünfte hatten, habe ich den Namen des Medikaments gegoogelt. Und es war natürlich: Antibiotika! Eines gegen Lamblien (Giardia) und Amöben, das sind Einzeller die in Nepal oft zu Durchfallerkrankungen führen. Mit dem Antibiotika konnte Lenny die Wanderung jedoch ohne Probleme fortsetzen. Ich bin an dem Morgen leider auch noch mit leichten Halsschmerzen aufgewacht, zu diesem Zeitpunkt dachte ich aber noch, dass das sicher bald wieder verschwinden würde…

Von Nayapul (1070 m) machten wir uns auf den Weg über Tikhedhunga (1500 m) nach Ulleri (2010 m). Ungefähr nach der Hälfte des Weges fingen sie an: Die steilsten Treppenstufen die wir je gesehen hatten. Da wir beide nicht die fittesten sind, schlauchten uns die ca. 3700 Steinstufen bis nach Ulleri wirklich sehr und als wir dann in unserer ersten Lodge ankamen, waren wir dementsprechend geschafft. Nach einer Dusche und Abendessen sind wir dann auch müde in unsere Betten gefallen.

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Die steilsten Treppenstufen ever!
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Unsere Unterkunft in Ulleri
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Unser Zimmer

Am zweiten Tag ging es von Ulleri nach Ghorepani (2750 m). Die ersten zwei Stunden wieder nur Treppenstufen, Treppenstufen, Treppenstufen – danach wurde es besser und der Weg schlängelte sich durch einen Wald, vorbei an kleinen Wasserfällen und (hier unten leider schon verblühten) Rhododendronbäumen. Mir ging es an diesem Tag leider etwas schlechter, das Halsweh war über Nacht schlimmer geworden und ich versuchte die Schmerzen mit Paracetamol zu unterdrücken. Trotzdem hatten wir viel Spaß mit Ram und Bisal und erreichten Ghorepani und unsere Unterkunft am Nachmittag. Nach dem Essen legte ich mich ein bisschen hin und als ich wieder aufwachte ging es mir richtig schlecht. Leider hatte ich Fieber bekommen, meine Halsschmerzen wurden immer schlimmer, meine Nase war zu und dann bekam ich auch noch einen richtig schlimmen Husten. Insgeheim wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon, dass es sich wahrscheinlich um eine Mandelentzündung handelt, wollte das aber noch nicht so richtig wahr haben. Lenny und Ram brachten mir Tee und wir alle hofften, dass es mir bald besser gehen würde. Am nächsten Tag sollten wir nämlich um 4.30 Uhr aufstehen und nochmal ca. 500 Höhenmeter zurücklegen um den Sonnenaufgang auf dem Poon Hill mitzuerleben. Ich war noch guter Dinge, dass ich das irgendwie schaffen kann. Mitten in der Nacht wachte ich dann auf und es ging mir furchtbar. Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und es war mir sterbensschlecht. Mir war wirklich noch nie in meinem Leben so schlecht! Nachdem ich Lenny geweckt hatte, musste ich mich dann auch übergeben. Nach einem kleinen Nervenzusammenbruch und ein paar Tränen, weil ich unbedingt am Morgen auf den Poon Hill wollte, bin ich dann irgendwann wieder eingeschlafen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon irgendwie den Verdacht, dass ich vielleicht mit der Höhe Probleme haben könnte und dass das Symptome der Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness) sind.

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Typische Küche in einer Berghütte
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Mittagspause, Lennys Banane ist ein Zwilling 😉

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Geschafft! Endlich in Ghorepani
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Caro ist krank 🙁

Als uns Ram dann um 4.30 Uhr weckte, raffte ich mich dann doch auf und nahm all meine Kraft zusammen. Ganz langsam und mit vielen Pausen quälte ich mich zusammen mit den Anderen die Treppenstufen (ja wieder Stufen!) zum Poon Hill hinauf – wir brauchten ca. 1 Stunde. Mehrmals dachte ich, dass ich das nicht mehr packe, aber aufgeben wollte ich auch nicht und als wir dann endlich oben standen, war ich schon ein bisschen stolz auf mich. Es war nicht ganz so bewölkt wie die Tage zuvor und bei Sonnenaufgang konnten wir einen Blick auf die Achttausender Dhaulagiri (8167 m) und Annapurna I (8091 m), sowie auf den Annapurna South (7219 m), Machhapuchhre (6993 m) und andere Himalaya-Riesen werfen. Die Aussicht war beeindruckend und wir waren beide froh, dass ich es gepackt hatte.

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Im Hintergrund ganz klein der Dhaulagiri

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Mit unserem Guide Ram (links) und unserem Porter Bisal (rechts)
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Treppenstufen zum Poon Hill

Nach dem Abstieg und zurück in der Unterkunft ließ der Adrenalinschub dann aber nach und ich merkte wie schlecht es mir eigentlich ging. Wir entschlossen uns deshalb, einen Tag länger in der Unterkunft zu bleiben, damit sich mein Körper endlich etwas ausruhen kann. Die Besitzerin der Unterkunft war zufälligerweise auch Krankenschwester und schaute sich meinen Hals genauer an. Sie meinte auch, dass es sich um eine Mandelentzündung handelt und dass ich Antibiotika brauche. In Ghorepani gibt es, mitten in den Bergen, eine kleine Arztpraxis. Lenny, Ram und Ich machten uns also auf den Weg dorthin. Nach einer kurzen Untersuchung der Ärztin bekam ich Antibiotika und einen Hustensaft. Ich versuchte viel Tee zu trinken und zu schlafen, es gelang mir aber nicht wirklich, da es mir immer wieder sterbensschlecht war. Mittags musste ich mich dann nochmal übergeben. Nach einer unruhigen Nacht mit zeitweise wieder Übelkeit und Atemproblemen, machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg. Bevor wir uns an den Abstieg machen konnten, mussten wir aber leider zuerst nochmal rauf. Und diesmal sogar auf 3300 m – noch etwas höher als der Poon Hill. Je höher wir gingen, desto schlechter ging es mir. Wir mussten immer wieder Pausen einlegen und jeder Schritt fiel mir enorm schwer. Die Übelkeit wurde immer schlimmer aber ich konnte mich nicht übergeben. Ich weiß bis heute nicht genau, wie ich das überstanden habe, aber irgendwann hatten wir den Aufstieg geschafft und es ging wieder bergab (ich hatte mich schon im Rettungshubschrauber gesehen). Der erste Teil der Etappe bis nach Tadapani (2630 m) war nochmal wirklich anstrengend, aber mit jedem Schritt den ich weiter bergab machte, ging es mir immer besser. Und da es mir in Tadapani dann soweit wieder ganz gut ging, entschlossen wir uns die Etappe bis nach Ghandruk (1940 m) auch noch zurückzulegen. Insgesamt waren wir an diesem Tag (inkl. Pausen) fast 10 Stunden unterwegs. Die Tage zuvor waren wir meistens nur 5-6 Stunden auf den Beinen. Ich war wirklich überrascht, dass ich das in meinem Zustand hinbekommen hatte. Aber ich wollte soweit wie möglich nach unten! Es ging mir immer besser und wir hatten viel Spaß mit Ram und Bisal. Irgendwie sind wir auf das Thema Kindergeld gekommen. Ram fand es unglaublich witzig, dass man in Deutschland vom Staat eine gewisse Summe pro Kind bekommt. Sowas gibt es in Nepal natürlich nicht, am Telefon erzählte er es gleich einem Freund und als wir eine Pause an einer Hütte machten, erzählte er es auch der Besitzerin dort. Die Unterkunft in Ghandruk war dann auch wirklich sehr schön und die Beste auf unserer ganzen Tour.

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Oben auf 3300 m blühen die Rhododendronbäume noch
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Ram pflückt Rhododendron für seine Tochter (die Pharmazie studiert und daraus irgendeine Medizin machen will)

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Ram versucht mich aufzumuntern und steckt mir eine Rhododenronblume ins Haar 🙂

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Unsere Unterkunft in Ghandruk

Am nächsten Tag ging es von Ghandruk nochmal ca. 5 Stunden zurück nach Nayapul, wo ein Taxi uns zurück nach Pokhara brachte. Auf dem Weg dorthin, legten wir einen Zwischenstopp an Ram’s Haus ein und lernten seine Frau und seinen jüngsten Sohn kennen, der noch zur Schule geht. Ram hat noch drei weitere Kinder, ein Sohn und seine Tochter studieren in Pokhara, ein weiterer Sohn studiert in Sydney in Australien. Wir verbrachten noch weitere fünf Tage in Pokhara, größtenteils aber im Hotelzimmer. Ich musste meine Mandelentzündung auskurieren und der Muskelkater in unseren Beinen war die Hölle! Mit dem Bus ging es dann wieder zurück nach Kathmandu, aber nur für eine Nacht. Am darauffolgenden Tag flogen wir von Kathmandu weiter nach Bangkok.

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Pokhara
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Phewa-See
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Phewa-See

Namasté! Caro & Lenny

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