Mumbai: Gegensätze ziehen sich an

Eigentlich wollten wir diesen Eintrag schon längst auf den Blog stellen. Eigentlich. Aber leider läuft in Indien nicht immer alles so wie man es gerne hätte. Aus 12 Stunden Zugfahrt werden 14 (ohne dass irgendjemand weiß wieso und weshalb), alles ist viel teurer als angegeben (zumindest für Ausländer) oder wie bei uns jetzt hier in Goa fällt öfters einfach mal Strom, Wasser oder das Wifi aus. Letzteres war in den letzten Tagen die Schuld einer Kokosnuss die nachts das Kabel zum Router zerstörte. Aber hier jetzt unsere Erlebnisse in Mumbai.

Mumbai, die Wirtschaftsmetropole Nummer Eins in Indien, könnte gegensätzlicher nicht sein. Extreme Armut und übermäßiger Reichtum liegen hier sehr sehr dicht aufeinander. Deshalb wird es von vielen entweder als „Boombay“ oder „Slumbay“ bezeichnet. Hier befindet sich der größte Slum Asiens – Dharavi. Auf 2 Quadratkilometern leben ca. 1 Million Menschen. In Mumbai befindet sich jedoch auch ein 27-stöckiges Hochhaus das nur einer Familie gehört, den Ambanis, und umgerechnet ca. 700 Millionen Euro gekostet haben soll. Unser Hotel Fariyas befindet sich im Stadtteil Colaba, es ist ein vier Sterne Hotel und kostet uns für die 4 Nächte in Mumbai viel mehr als wir jetzt hier in Goa für ganze zwei Wochen bezahlen. Aber es bietet uns am Anfang unserer Reise einen klimatisierten, sauberen Zufluchtsort um den Kulturschock Indiens zu Beginn etwas zu mildern.

Den ersten richtigen Tag in Mumbai haben wir mit einer kleinen Tour begonnen. Nach dem Frühstück sind wir einfach mal losmarschiert. Die Lage des Hotels ist perfekt um viele Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erreichen. Gleich um die Ecke befindet sich das Gateway of India und das berühmte Taj Mahal Palace Hotel. Am Gateway of India angekommen werden zunächst einmal wir zur Attraktion. Wir werden angeschaut, Frauen und Männer wollen ständig Fotos mit uns machen. Wir gehen dem erstmal gerne nach und finden das sehr amüsant. Doch irgendwann wird es uns zu viel und wir verlassen das Getümmel um uns. Das mit den Fotos wird uns noch öfters passieren. Oftmals fragen indische Männer bei Lenny nach ob sie ein Foto mit mir machen können. Ich komme mir sehr seltsam vor, Lenny verneint und die Männer akzeptieren das dann auch so. Einer hat seinen ganzen Mut zusammengenommen und reagiert auf Lennys nein sehr, sehr verlegen, beim Weglaufen läuft er gegen eine Wand. Er tut mir ein klein wenig Leid. Wir marschieren also weiter zum Prince of Wales Museum und schauen uns die Ausstellungen über die indische Geschichte und Kultur an. Der Eintrittspreis für Ausländer beträgt ca. 500 Rupien, für Inder nur 50 Rupien. Hier stört das niemand, in Deutschland wären jetzt schon alle ausgerastet. Drinnen ist es schön kühl, juhuuu Klimaanlage! Den restlichen Tag verbringen wir noch damit den Colaba Causeway und die Nebenstraßen des Viertels zu erkunden. Hier befinden sich jede Menge Restaurants und Shops und man kann das tägliche Leben auf Mumbais Straßen erleben. Was uns besonders gefällt sind die vielen Bäume und Blumen die überall die Straßen säumen. Mumbai ist nicht nur heiß, laut und an manchen Stellen dreckig und geruchintensiv (auf eine negative Weiße versteht sich), sondern auch sehr, sehr grün und durch die Blumen und die Saris der indischen Frauen auch schön bunt.

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Caro vor dem Gateway of India
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Taj Mahal Palace Hotel
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Eines der vielen Fotoshootings
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Im Prince of Wales Museum
Unbenannt
Kutschen vor dem Taj Mahal Palace Hotel – gehört auch zum Holi Fest
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Das gefällt uns besonders in Mumbai: Alles ist grün

Vom Holi am nächsten Tag haben wir leider nicht so viel mitbekommen, oder naja eigentlich doch. Das Festival beginnt um Mitternacht und die anscheinend größte von allen Partys findet direkt gegenüber von unserem Hotel statt. Laute, indische Technomusik und Getrommel die ganze Nacht. Egal. Ohropax rein und Stille. Am Vormittag müssen wir uns um unser Zugticket von Mumbai nach Goa kümmern und auch wirklich der GANZE Vormittag geht dafür drauf. Während sich also draußen die Menschen mit buntem Farbpulver bewerfen sitzen wir in einem winzigen Raum, einer Travel Agency, und lassen uns von dem Travel Agent Zugticket besorgen. Wir sind spät dran für Zugtickets, die Inder reisen sehr gerne mit dem Zug und da man Tickets 60 Tage im Voraus buchen kann, tun das die Inder auch, ganz egal ob sie das Ticket überhaupt brauchen oder nicht. Ganz nach der Devise: Was man hat, das hat man. Schon allein das Finden der Travel Agency gestaltet sich als schwierig, von außen sah es aus wie ein kleiner Kiosk vor dem mehrere Inder saßen. Oben deutete das Schild mit Aufschrift „Travel Agency – Train, bus, flight tickets“ jedoch darauf hin, dass wir hier richtig waren. Wir fragen also den Mann davor „Train tickets?“ (man muss sich hier ja der sehr knappen Konversation anpassen). Der Mann antwortet „upstairs!“, zeigt auf ein Eisentor und zieht es nach oben. Wir schauen uns verstört an, Lenny fragt mich „Sollen wir da rein gehen?“ ich bin mir auch nicht ganz sicher, wir gehen trotzdem rein. Wir passen kaum durch die Öffnung, quetschen uns durch und müssen über eine sehr schmale und steile Treppe ein Stockwerk höher. Überall riecht es seltsamerweise nach Öl, so wie wenn man zuhause Heizöl geliefert bekommt. Oben sitzen drei Inder hinter einem Schreibtisch, ein anderer Inder bucht gerade Flugtickets. Wir setzen uns, die Klimaanlage und der Ventilator laufen auf Hochtouren. Typisch in Indien: Draußen 40 Grad + und drinnen herrschen eisige Klimanlagentemperaturen. Der Travel Agent ist sehr nett, nach ewigem hin und her (erst gibt es keine Tickets, dann doch) buchen wir 2 Tickets in der 2. Klasse Schlafwagen (in Indien 2AC Tier genannt). Insgesamt kostet uns das 5800 Rupien, ca. 80€. Unsere Pässe werden kopiert, einer der Inder macht sich damit auf den Weg zum Bahnhof und nach 30min halten wir unser Ticket in den Händen. Wir sind sehr stolz. Auf Nachfrage, wie es jetzt doch möglich war Ticket zu bekommen, antwortet der Travel Agent nur „Bestechung“. Aha ok, egal wir haben unser Ticket. Wir laufen noch etwas durch die Stadt, die jetzt voller bunter Menschen ist, essen zum ersten Mal außerhalb des Hotels (und haben es überlebt!) und müssen immer wieder über Alkoholleichen steigen, die einfach auf der Straße schlafen. Manche Inder trinken an Holi zu viel Alkohol oder Bhang. Da sie das sonst nicht tun, tut es ihnen nicht gerade gut.

Aus Wikipedia: Bhang ist eine traditionelle Hanfzubereitung, die unter anderem in hinduistischen Religionsritualen Verwendung findet. Das Wort bhanga bedeutet auf Sanskrit u. a. „Bruch“ bzw. „Abfall“.

Den letzten Tag in Mumbai verbrachten wir mit einer Sightseeing Tour, die wir im Hotel gebucht hatten. Die Tour bestand darin, von einem Fahrer mit einem klimatisierten Auto abgeholt zu werden und 8 Stunden von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit einmal quer durch Mumbai kutschiert zu werden. Am Ende waren es nur 6 Stunden, den vollen Preis mussten wir trotzdem bezahlen. Unser Fahrer konnte leider nicht so gut Englisch, er war aber sehr nett und bei einem Gespräch erzählte er mir, dass er aus Kaschmir im Norden Indiens kommt und Cricket sehr mag (wie so ziemlich jeder Inder). Auf dieser Tour haben wir wirklich sehr viel gesehen und konnten immer aussteigen wenn wir es wollten. Und da waren sie auch endlich – die Kühe!

Unsere Tour beinhaltete:
Mumbai University und High Court: Leider kann man die Universität und das Gerichtsgebäude nur von außen betrachten, Eintritt strengstens verboten
Mumbai‘s Bahnhof Chhatrapati Shivaji Terminus: Bis 1996 hieß dieser noch Victoria Terminus
Marine Drive: Mumbai’s Strandpromenade
Hanging Gardens: Ein wirklich schöner Park mitten im hektischen Mumbai
Dhobi Ghat: Mumbai’s größte Wäscherei
Mahatma Gandhis Geburtshaus: Heute ein Museum das wirklich sehr interessant ist
Mount Mary Church: Eine katholische Kirche (2,3 % der Inder sind auch heute noch Christen)
Juhu Beach: Der Lieblingsstrand der Menschen in Mumbai, leider kann man aufgrund der Wasserqualität an keinem Strand in Mumbai baden
Wohnhaus von Shah Rukh Khan: Indiens Bollywood Star Nummer Eins

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Chhatrapati Shivaji Terminus
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Marine Drive
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Dhobi Ghat
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In Mahatma Gandhi’s Geburtshaus
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Mount Mary Church

Wie es mit unserer Zugfahrt nach Goa weiterging und wie es hier in Goa ist erfahrt ihr im nächsten Eintrag.

Namasté! Caro & Lenny

3 thoughts on “Mumbai: Gegensätze ziehen sich an

  1. Sehr interessant und schön zu lesen! Und ich dachte schon es liegt an meiner Internetverbindung, dass ich keine Bilder sehe! 😀 Viel Spaß euch! :*

  2. Ich liebe den Blog jetzt schon, wirklich klasse geschrieben! Ich Fieber richtig mit euren Abenteuern mit. Bin schon riesig gespannt auf eueren nächsten Eintrag 🙂 nehmt euch vor den Kokosnüssen in Acht!

  3. Super Blogeintrag!!! Ich freu mich so sehr für euch, sehr lebendig und ausführlich beschrieben alles. Als wäre man live dabei. Bin schon gespannt auf den Eintrag von Goa, den Bildern auf Insta zufolge, seit ihr im Paradies gelandet.

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