Im Süden von Myanmar: Mawlamyaing, Hpa-an, Kyaikto

Nach unseren Tagen in Yangon, machen wir uns auf zum Busbahnhof. Von dort aus bringt uns ein ziemlich komfortabler VIP Bus in ca. 6 Stunden in die 300 km entfernte, drittgrößte Stadt von Myanmar: Mawlamyaing. Die Sitze im Bus sind so breit wie ein Sofasessel und sehr bequem (links zwei Sitze nebeneinander und rechts ein Einzelsitz). Wie im Flugzeug hat jeder Sitz einen eigenen kleinen Fernseher – wir staunen nicht schlecht. Wie wir später noch zur Genüge feststellen werden, wird die Klimaanlage in den Bussen in Myanmar gerne voll aufgedreht. Es ist eisig kalt und wir versuchen uns unter den ausgeteilten Decken zu verkriechen. Wir haben aber Glück und in unserem ersten Bus, den wir in Myanmar nehmen, werden wir noch nicht mit kitschigen Filmen oder schlagerartiger Musik gefoltert (kommt aber alles später noch!). Irgendwann mittags kommen wir in Mawlamyaing an. Während der britischen Herrschaft hieß die Stadt Moulmein. Die Briten konnten den burmesischen Namen wohl (genau wie wir auch) nicht richtig aussprechen und haben sich kurzerhand einen einfacheren ausgedacht. Mawlamyaing befindet sich an der Mündung der Flüsse Thanlwin und Gyaing am Golf von Mottama und ist umgeben von grünen Hügeln in denen hier und da weiße und goldene Pagoden aufblitzen. Unsere ersten paar Tage hier verbringen wir jedoch leider größtenteils im Hotelzimmer, da Lennys Magen wieder verrücktspielt. Als er auch noch sehr hohes Fieber bekommt, werden wir von unserem Hotelbesitzer ins nahegelegene „Krankenhaus“ gefahren. Dort bekommt er Antibiotika und nach ein paar Tagen geht es ihm dann auch schon wieder besser. Wir haben dadurch einiges an Zeit (und Lenny auch einige Kilo Körpergewicht) verloren und lassen uns an unserem letzten Tag erstmal mit dem Motorradtaxi zum Breezer Guesthouse fahren, wo wir Tickets für die Bootsfahrt nach Hpa-an besorgen. Die Stadt an sich finden wir nicht so besonders, hier und da gibt es ein paar alte Kolonialgebäude, viele Leute grüßen uns auf der Straße und alle interessiert brennend aus welchem Land wir denn kommen. Auf der Suche nach etwas Essbarem treffen wir Michel, ein Zahnarzt aus Frankreich, der aber schon seit 15 Jahren auf einer kleinen Insel irgendwo zwischen Fidschi und Hawaii lebt. Ein richtig witziger Kerl der alles, aber auch wirklich alles super toll und beeindruckend findet. Wir essen zusammen und machen uns auf den Weg zur Kyaik Thanlan-Pagode, die sich mit weiteren Pagoden und Schreinen auf einer Hügelkette befindet. Von dort aus soll man einen schönen Panoramablick über Mawlamyaing und den Thanlwin-Fluss haben. Oben angekommen werden wir dann auch nicht enttäuscht, der Fluss glitzert im Sonnenlicht und der Zug bahnt sich gerade seinen Weg durch die Palmenwälder in Richtung Bahnhof. Wir schlendern mit Michel von Pagode zu Pagode bis wir schließlich an einen Aussichtspunkt kommen. Während wir auf den Sonnenuntergang warten, werden wir von einem sehr alten Mönch angesprochen. Er kann leider kein Wort Englisch, aber wir versuchen uns mit Händen und Füssen zu verständigen. Er will unbedingt ein Bild mit uns und hält während der ganzen Zeit meine Hand. Auf unserer Reise durch Myanmar begegnen wir immer wieder solchen Menschen. Alle sind sehr, sehr freundlich, neugierig, witzig und wirklich einfach nur herzensgut. Wir werden oft auf der Straße angesprochen und ständig angelächelt, alle Burmesen scheinen irgendwie immer gut gelaunt zu sein, viele singen vor sich hin. Auch hier scheint sich seit Rudyard Kiplings Zeit in Myanmar nichts geändert zu haben, auch er hat schon damals in einem Brief diese unglaubliche gute Laune der Burmesen beschrieben:

The strange part of it all was that every one laughed – laughed, so it seemed, at the sky above them because it was blue, at the sun because it was sinking, and at each other because they had nothing better to do. – Rudyard Kipling

Der Sonnenuntergang über dem Thanlwin-Fluss und die Begegnung mit dem Mönch waren ein schöner Abschluss dieses Tages.

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Kyaik Thanlan-Pagode
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Ausblick von der Kyaik Thanlan-Pagode

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Michel, Caro und der Mönch (der meine Hand hält) 🙂
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Sonnenuntergang über dem Thanlwin-Fluss

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Am nächsten Tag werden wir von einem Tuk-Tuk abgeholt und zu unserem Boot gebracht. Es ist kleiner als wir es uns vorgestellt haben und mit vier weiteren Reisenden machen wir es uns auf den harten Holzbänken bequem. Der Motor ist so laut, dass wir Ohropax brauchen. Während der sechsstündigen Fahrt nach Hpa-an beobachten wir das Treiben am Flussufer und die vorbeiziehende Landschaft (miteinander zu kommunizieren ist aufgrund der Lautstärke des Motors unmöglich). Die Landschaft verändert sich und es tauchen mehr und mehr bizarre Felsformationen auf, auf denen sich bei einigen kleine Pagoden befinden. In Hpa-an angekommen erkunden wir die Stadt (die nicht wirklich sehr groß ist) und ruhen uns danach erstmal in unserem Hotel aus. Für den nächsten Tag haben wir eine Tuk-Tuk-Tour zu den Höhlen und Sehenswürdigkeiten der Umgebung gebucht. Der Fahrer, der uns am nächsten Tag abholt ist wieder einer dieser gut gelaunten und witzigen Burmesen (allgemein finden wir, dass die Menschen hier im Süden die nettesten in ganz Myanmar sind) und wir haben eine Menge Spaß mit ihm. Leider war sein Name wieder einer dieser komplizierten burmesischen Namen und wir konnten ihn uns nicht merken. Die Tour geht mit dem Tuk-Tuk über Schotterpisten und Schlaglöcher, unsere Hinterteile schmerzen nach einiger Zeit. Doch die Höhlen, an denen wir halten, entschädigen das allemal. Man kommt sich beim Betreten wie in einer Märchenwelt vor, mit viel Liebe zum Detail wurden die Höhlen in buddhistische Stätten verwandelt und die Atmosphäre ist einzigartig. Neben den Höhlen besuchen wir auf unserer Tour noch den Zwe Kapin-Felsen, ein ca. 1000 m hoher Berg auf dem sich ein Kloster befindet. Für den Aufstieg braucht man über 2 Stunden, wir halten uns daher nur am Fuß des Berges auf, an dem sich der Lumbani Park befindet – eine Art Garten mit 2974 überlebensgroßen Buddhafiguren. Ein weiteres Highlight ist der Kyauk Ka Lat, ein Felsen, der an den James-Bond-Felsen in Thailand erinnert. Wir finden ihn sogar noch etwas toller, da auf seiner Spitze eine goldene Pagode thront. Über eine Treppe kommt man bis fast ganz nach oben, dort erhalten wir von einem Mönch ein orangenes Armbändchen. Das Band soll dem Träger Glück und Schutz bringen und man soll es so lange tragen, bis es von selbst abfällt.

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Lenny im Boot
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Der Rest der Gruppe 🙂

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Kyauk Ka Lat Felsen
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Unser Tuk-Tuk Fahrer

Nach unserer Tour und zurück im Hotel, hilft uns die nette Hotelbesitzerin die Busse für den nächsten Tag zu buchen. Wir haben vor von Hpa-an nach Kyaikto zu fahren, um uns den Goldenen Felsen anzuschauen. Am selben Tag möchten wir dann von dort mit dem Bus weiter zum Busbahnhof in Yangon um den Nachtbus nach Bagan zu erwischen. Ich bin mir etwas unsicher, ob das alles mit dem Timing so klappt, aber wir buchen und bezahlen alle Tickets. Die Busfahrt von Hpa-an nach Kyaikto am nächsten Tag klappt dann schon mal ganz gut, Gebetsgesänge und burmesische Schlagermusik inklusive. In Kyaikto nehmen wir mit ca. 50 anderen Leuten auf der Ladefläche eines LKWs Platz, die durch Metallbänke zu einem abenteuerlichen Transportmittel umgebaut wurde. So geht es ca. 30 min den steilen und kurvigen Weg zum Goldenen Felsen hinauf – ein bisschen wie in einer Achterbahn. Oben auf 1100 m angekommen, schlendern wir über die weiß geflieste Plattform, genießen die fantastische Aussicht und beobachten die Pilger, wie sie Blattgold an den Goldenen Felsen kleben (nur den Männern ist dies erlaubt!). Der Legende nach verdankt der Goldene Felsen sein Gleichgewicht einem Haar Buddhas, das sich im Inneren der Stupa befindet. Ob man diese Legende nun glaubt oder nicht, uns ist immer noch schleierhaft, wie der Fels an dieser Stelle hält und wie er überhaupt dorthin kam.

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Die LKWs mit umgebauter Ladefläche
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Nicht wirklich viel Platz hier 🙂
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Pilger bekleben den Goldenen Felsen mit Blattgold

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Die weitere Busfahrt zum Busbahnhof in Yangon klappt dann auch fast reibungslos (bis auf einen kleinen Zwischenfall mit einer betrunkenen Australierin, die ihr Busticket nicht bezahlen wollte). Diesmal wurden wir durch eine burmesische Comedy Show „unterhalten“, wenigstens etwas Abwechslung im On-Board-Bus-Programm. Während der Fahrt fällt uns auch noch auf, dass Burmesen das Busfahren wohl nicht so ganz vertragen. Ständig muss sich jemand übergeben. Rechtzeitig (eigentlich sogar etwas zu früh) kommen wir am Busbahnhof in Yangon an und steigen in den Nachtbus nach Bagan. Eins muss man den burmesischen Bussen lassen, sie sind sehr pünktlich und zuverlässig. Wie unsere Fahrt nach Bagan war und was wir sonst noch in Myanmar erlebt haben, erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag.

Kyay tzu tin pa te! Caro & Lenny

2 thoughts on “Im Süden von Myanmar: Mawlamyaing, Hpa-an, Kyaikto

  1. Hallo Ihr 2 “gesegnete” Weltreisenden, Euer Bericht und die Bilder sind wieder traumhaft !!!
    Freu mich,dass es Euch gut geht und Ihr all die schönen Dinge bestaunen könnt!!!!
    Bis zum nächsten Blog , Euer “Verfolger” !!!!!

  2. Hallo Ihr zweibeiden,
    wunderschön der Block und ich möchte auch mal wieder mit Caro Händchen halten 🙂
    Bleibt gesund, viele schöne Begegnungen!
    Ich freue mich auf eure Berichte und vor allem auf euch selbst nächstes Jahr
    Küsschen
    Gabi

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