Beautiful Bagan: Tempel so weit das Auge reicht

Während wir in Yangon am Busbahnhof in unserem Nachtbus sitzen, beobachten wir das Treiben von unserem Fenster aus. Die Burmesen sind eindeutig Meister im „Gepäck-In-Bus-Einladen-Tetris“. Wir können gar nicht fassen, was in den Bauch des gegenüberliegenden Busses (und natürlich auch in Unseren) alles eingeladen wird. Ständig werden vom Personal der Busgesellschaft weitere kuriose Sachen herbeigeschafft. Neben dem Gepäck der Passagiere werden Säcke voll mit Früchten, Reis und anderen Lebensmitteln eingeladen, sowie in Kartons verpackte Elektrogeräte aller Art und andere verpackte Gegenstände, dessen Inhalt uns leider unbekannt blieb. Den Höhepunkt dieses Spektakels werden wir wohl nie wieder vergessen: Ungefähr vier Mitarbeiter versuchen tatsächlich ein ziemlich großes und sperriges Rennmotorrad in den Laderaum zu verfrachten. Nach mehrmaligem Drehen und Wenden (hier jetzt die Tetrismusik dazu vorstellen) gelingt es dann irgendwie und das Motorrad wird mit Seilen „gesichert“. Der Besitzer steht die ganze Zeit telefonierend daneben und scheint sich nicht sonderlich dafür zu interessieren. Vielleicht war es nicht das erste Mal, dass er sein Motorrad so transportiert hat. Zwischen all dem Trubel sitzt ein junges Pärchen auf ein paar der Kartons und isst ein mitgebrachtes Nudelgericht. Streunende Hunde bahnen sich ihren Weg durch das Getümmel, in der Hoffnung etwas von dem Essen der Passagiere abzubekommen. Fliegende Händlerinnen versuchen Essen, Medikamente gegen Reisekrankheit und Spielsachen für Kinder an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Eines der Spielzeuge ist eine Seifenblasenpistole, zu Demonstrationszwecken verwandelt sich der ganze Busbahnhof in ein Seifenblasenmeer. Unser Bus füllt sich mehr und mehr und wir stellen fest, dass wir die einzigen Touristen für diese Fahrt bleiben. Wir haben die Plätze ganz hinten in der letzten Reihe. Vorteil hierbei: Die Klimaanlage pustet hier sehr schwach und es ist nicht so kalt. Nachteil: Auf der weiteren Fahrt wird es im Bus dann doch ganz schön warm (da wir über dem Motor sitzen) und wir vermissen die Klimaanlage irgendwie (wer hätte das gedacht!). Was wir nicht wussten, in der Mitte zwischen den beiden letzten Reihen befindet sich ein ausklappbarer Sitz, auf dem ein älterer Burmese Platz nimmt und während der Fahrt des Öfteren auf Lennys Schulter einschläft. Die Ablage hinter uns wird dann auch noch vom Personal als Schlafplatz verwendet. Alles also sehr kuschelig hier hinten. Die Fahrt dauert ungefähr 12 Stunden, viel Schlaf bekommen wir in dieser Zeit nicht. Mitten in der Nacht, es muss so ca. 2 oder 3 Uhr gewesen sein, werden wir an einem Rastplatz aus dem Bus getrieben (alle müssen raus!). In einem Zustand, der sich irgendwo zwischen wach und schlafend befindet, taumeln wir aus dem Bus. Das komplette Restaurant ist voll von Burmesen, die sich mitten in der Nacht den Bauch mit Nudel- und Reisgerichten vollschlagen. Wir bekommen definitiv nichts runter und sind froh, als wir endlich wieder in den Bus einsteigen können. Nach weiteren endlos erscheinenden Stunden wird es endlich hell und wir gelangen über eine holprige Straße nach Bagan. Wir schnappen uns ein Taxi und nachdem wir die „Eintrittsgebühr“ für Bagan bezahlt haben (umgerechnet ca. 15€ pro Person), kommen wir sehr, sehr müde am Hotel an. So eine Nachtbusfahrt muss auch erstmal verkraftet werden und wir verbringen den Rest des Tages deshalb mit Schlafen.

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Zwischen den Tempeln befinden sich Felder, die auch ab und zu mal mit dem Traktor bearbeitet werden

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Bagan ist, neben Angkor in Kambodscha und dem Borobudur in Indonesien, eine der größten und bedeutendsten archäologischen Stätten Südostasiens. Zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert wurden hier auf einem ca. 40 km2 großen Areal fast 5000 Tempel errichtet. Durch Plünderungen und einem schweren Erdbeben 1975 wurden viele dieser Tempel zerstört, heute sollen noch ca. 2230 davon erhalten sein. Die übriggebliebenen Tempel, bei einigen davon waren teilweise nur noch Ziegelsteinhaufen übrig, wurden durch Spendengelder der eigenen Bevölkerung renoviert. Leider wurde, vor allem während der Militärdiktatur, bei der Renovierung keinen großen Wert darauf gelegt, die Tempel originalgetreu aufzubauen. Nach Lust und Laune wurden die Gebäude mit neuen Ziegeln und Beton aufgebaut, manche der Wandgemälde wurden einfach überpinselt, in einigen Gebäuden sogar Klimaanlagen angebracht. Seit 1996 steht Bagan jetzt schon auf der Vorschlagsliste zum UNESCO Weltkulturerbe. Doch auch die UNESCO sieht die bisherigen Restaurationen sehr kritisch, weshalb der UNESCO-Titel für Bagan bis heute ausblieb.

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Um Bagan zu erkunden leihen wir uns für einige Tage einen Elektroroller, da Touristen in Bagan keine Motorroller fahren dürfen. Wir taufen ihn liebevoll auf den Namen Sasha (wer die Serie Scrubs kennt, weiß warum). Mit Sasha düsen wir, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, von Tempel zu Tempel. Der Großteil der Tempel befindet sich in den Orten Neu-Bagan, Alt-Bagan und Nyaung U. Viele Pagoden sind durch asphaltierte Straßen miteinander verbunden, einige sind nur über sandige Feldwege zu erreichen. Die Landschaft in Bagan erinnert ein bisschen an eine Savanne, tatsächlich ist es hier trockener als im Rest des Landes. Kein Wunder, dass das Gebiet früher „Tattadesa“, „verdorrtes Land“, genannt wurde. Die meisten Pagoden bestehen aus rötlichen Ziegelsteinen, trotzdem sieht keine Pagode aus wie die andere. Verschiedene Größen, Formen und Verzierungen machen jede zu etwas Besonderem. So wird die Erkundungstour auch nicht so schnell langweilig. Bei einigen Tempeln ist es sogar möglich, über eine kleine schmale Treppe nach oben zu steigen. Von hier aus hat man eine tolle Aussicht über Bagan. Im Inneren der Tempel befinden sich wunderschöne Wandmalereien und Buddha Statuen. Abends besteigen wir dann die Shwesandaw Pagode, eine der größten Pagoden in Bagan und genießen von dort den Sonnenuntergang. Übersetzt bedeutet Shwesandaw so viel wie „goldene Haarreliquie“ und der Legende nach soll sich im Inneren des Tempels eine Haarreliquie Buddhas befinden. Es scheint so, als hätte Buddha seine Haare in ganz Myanmar verteilt.

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Lenny und Sasha

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Ein kleiner Mönch der vor seiner Opferschale eingeschlafen ist

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Ein Mönch lässt sich auf der Shwesandaw Pagode fotografieren 
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Wir sind nicht die Einzigen, die auf den Sonnenuntergang warten

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In Bagan lernen wir Romina und Marc kennen, ein schweizer Pärchen, die mit Gemma und Karl, einem Pärchen aus England, unterwegs sind. Wir verstehen uns auf Anhieb gut und verbringen einen netten und lustigen Abend zusammen. Während unserer weiteren Reise durch Myanmar werden wir immer wieder auf die Vier treffen, da sie dieselbe Route geplant haben.

Wir haben uns in Bagan sehr wohl gefühlt! Die ganze Tempelanlage strahlt eine fast schon mystische Ruhe aus und trotz der vielen Touristen gibt es Pagoden, die man ganz für sich alleine erkunden kann. Ein absolut tolles Erlebnis!

Kyay tzu tin pa te! Caro & Lenny

One thought on “Beautiful Bagan: Tempel so weit das Auge reicht

  1. Hallo Ihr 2, wieder ein für Euch und uns “Lustiger ” Bericht und schöne Bilder 🙂 !!!
    Freu mich sehr,daß es Euch gut geht und ihr weiterhin tolle Länder ,Städte und Menschen sehen
    und kennen lernt !!!! Wünsch Euch,daß es so fortgeht, Ihr gesund bleibt und bin gespannt auf den
    nächsten Beitrag !!!!! Gruß,Euer Verfolger.

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