Goa: Willkommen im Paradies

Angekommen am Bahnhof in Margao machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi, das uns in unsere Unterkunft am Strand in Agonda bringen sollte. In Indien gibt es an Flughäfen und Bahnhöfen oft zwei Arten sich ein Taxi zu besorgen: Über die normalen Taxifahrer, die dich schon am Bahnsteig abfangen und schwarmartig über dich herfallen und die Prepaid Taxis, die einen Festpreis haben und bei denen man sich ein Ticket an einem Schalter kaufen muss. Diese Prepaid Taxis sind seriöser und haben den Vorteil, dass man auch dort ankommt wo man hin will (und nicht in einem anderen Hotel, das zufällig dem Onkel/dem Bruder etc. des Taxifahrers gehört) und der Preis nicht noch im Nachhinein auf mysteriöse Weise teurer wird.

Der Preis wird, wie der Name schon sagt im Voraus bezahlt und ist ein kleines bisschen teurer. Für unseren Taxifahrer war es zu so später Stunde jedoch eventuell die letzte Fahrt vor dem Feierabend oder er war schon in Feierlaune, man weiß es nicht. Die einstündige Fahrt war auf jeden Fall sehr rasant und abenteuerlich. Unser Taxi war eines dieser Minivans, die immer aussehen als wären sie in eine Autopresse geraten und von beiden Seiten ordentlich zusammengedrückt worden. Biegt man während der Fahrt schnell in eine Kurve, hat man das Gefühl das ganze Ding kippt gleich um. Gurte zum Anschnallen gab es nicht, Sicherheit wird eh überbewertet. Unser Fahrer fand es eine großartige Idee das Radio auf volle Lautstärke aufzudrehen. Eine Mischung aus Technomusik und nervenaufreibendem Rauschen (aufgrund des schlechten Empfangs) dröhnte jetzt eine Stunde lang in unseren Ohren. Wir wissen nicht genau was unser Fahrer alles Intus hatte, auf jeden Fall war er ständig mit den Betelblättern in seinem Mund beschäftigt. Da wir bis jetzt noch keine ausprobiert haben, können wir nicht einschätzen wie stark diese das Fahrvermögen einschränken. Sein ständiges Spucken aus dem Fenster führte aber immer wieder dazu, dass er beängstigend weit auf die Gegenfahrbahn abkam. So fuhren wir also durch die Nacht. Ich bin ja nicht wirklich ein gläubiger Mensch, aber während dieser Fahrt hab ich dann doch ein paar Stoßgebete nach oben abgeschickt. Schweißgebadet kamen wir dann in unserer ersten Unterkunft an. Über Booking.com haben wir uns nach langer Recherche für das Sea Star Resort entschieden. Da wir aber schon am 26. März in Goa ankamen und unsere favorisierte Unterkunft erst ab dem 27. eine Strandhütte frei hatte, buchten wir eine Nacht in einer anderen Hütte. Nachdem wir besagte Hütte betraten, waren wir erstmal etwas geschockt. Ein liebloser Raum in dem in der Mitte ein Bett stand. Welliger, stinkender PVC Boden und ein löchriges Moskitonetz. Keine Möglichkeit irgendwo etwas abzulegen – kein Schrank, kein Stuhl. Das Bad ein Wellblechverschlag mit nacktem Betonboden. Nach 2 min in der Hütte ging dann auch der Strom aus (das ist hier jedoch völlig normal). Also haben wir erstmal unsere Stirnlampen ausgepackt und uns kurz abgeduscht. Dann sind wir völlig erschöpft eingeschlafen. Als wir am nächsten Morgen aufwachten und die Türe unserer Hütte aufmachten, hatten wir einen wundervollen Ausblick auf den Müllablageplatz und die Duschen/WCs der Angestellten. Wir packten schnell unsere Sachen, bezahlten und machten uns auf den Weg zum Sea Star Resort am anderen Ende des Strands. Hier ist es wirklich wie im Paradies: Ein liebevoll angelegter Garten, kleine süße und gut ausgestattete Hütten aus natürlichen Materialien, sehr sehr nettes Personal und super Essen. Wir haben hier jetzt 2 Wochen verbracht und die meiste Zeit davon am Strand. Bücher lesen, sonnen, im Meer baden – einfach nur runterkommen.

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Unsere Strandhütte
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Das Rooftop Restaurant mit Ausblick aufs Meer, hier haben wir jeden Tag gegessen.
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Ausblick auf den Strand

Zwischendurch haben wir aber auch mal was unternommen. Einen kleinen Ausflug zum nahegelegenen Palolem Beach z.B. Der Strand ist viel touristischer als unser ruhiger Agonda Beach und am ganzen Strand liegen Fischerboote aufgereiht. Außerdem eine kleine Bootstour, bei der wir zwei, nur mit dem Boot erreichbare, Strände und einen Delphin bestaunen konnten. Auf dieser Tour haben wir Kathrin und Jörn aus Norddeutschland kennengelernt (viele Grüße an euch!), mit denen wir noch einen super netten und witzigen Tag verbracht haben, bevor sie dann am nächsten Tag abgereist sind. Sonst haben wir noch einen Tagestrip mit Matis aus Aachen unternommen (auch an dich liebe Grüße!). Wir hatten einen Fahrer für den kompletten Tag gebucht, der uns zum Dudhsagar Wasserfall, nach Old Goa und in die Hauptstadt Panaji (Panjim) brachte.

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Kleiner Ausflug zum Palolem Beach
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Bootstour
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Dudhsagar Wasserfall

Der Dudhsagar Wasserfall befindet sich in Goas größtem Nationalpark, dem Bhagwan Mahaveer Sanctuary und um dorthin zu gelangen wurden wir von unserem Fahrer in einem kleinen Touristendorf in der Nähe abgesetzt. Hier wurden wir, zusammen mit einer Menge anderer Touristen, die zu 90% aus Russen bestanden, schon von den Jeep Fahrern erwartet. Goa ist, wir wissen auch nicht genau warum, ein sehr beliebtes Reiseziel für Russen. Wir vermuten, dass es irgendwas mit den Einreisebestimmungen zu tun hat und damit, dass sie in einigen anderen Urlaubsländern eventuell nicht mehr ganz so gern gesehen werden. Von einem Restaurantbesitzer hier bei uns am Strand haben wir erfahren, dass Putin wohl mit einigen indischen Politikern gut befreundet ist. Aber wer weiß schon, ob das stimmt. Jedenfalls konnten einige der Guides in dem Touristenort sehr gut Russisch (besser als Englisch), was uns wirklich erstaunte. Nachdem von jedem von uns der Eintrittspreis von 400 Rupien und nochmal 90 Rupien für die Schwimmwesten kassiert wurden, ging es los. Matis, Lenny und Ich wurden in einen Jeep mit 4 Russen gequetscht. Die Fahrt zum Wasserfall ging über eine holprige und staubige Piste und dauerte gefühlt eine Stunde. Wir hatten jedoch eine Menge Spaß. Kurz vor dem Eingangstor wurde dann nochmal jeweils 30 Rupien für das Fotografieren mit unseren Kameras verlangt. Wie wir jetzt bereits wissen, vollkommen normal in Indien. Man zahlt den Eintrittspreis und denkt man hat alles bezahlt und dann kommen weitere (manchmal absurde) Folgekosten – wir nahmen es mit Humor. Kurz unterhalb des Wasserfalls befindet sich ein Parkplatz, von dort aus führt ein kleiner Weg durch den Dschungel bei dem einem immer wieder kleine Affen begegnen, die man auch füttern kann. Der Wasserfall an sich ist wirklich schön anzusehen, oberhalb führt eine Bahnstrecke entlang und unten befindet sich ein kleiner See in dem man auch baden kann. Viel interessanter sind jedoch die Russen, die sich genau an diesem See mit ihren Schwimmwesten ins Wasser stürzen, einen unglaublichen Lärm veranstalten und einige 100 Selfies in wirklich witzigen Posen von sich und anderen knipsen.

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Affen am Dudhsagar Wasserfall
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Lenny und Ich mitten im Getümmel
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Die russischen Touristen haben eine Menge Spaß im Wasser

Unsere nächsten beiden Ziele, Old Goa und Panaji, sind immer noch sehr von der portugiesischen Kolonialzeit Goas geprägt. Bereits im 15. Jahrhundert wurden die Portugiesen erste Kolonialmacht in Indien und erst 1961 (14 Jahre nach der Unabhängigkeit von Indien!) beendeten indische Truppen die ca. 450 Jahre andauernde Fremdherrschaft. Old Goa liegt ca. 10 km östlich von Panaji und war im 16./17. Jahrhundert Hauptstadt der portugiesischen Kolonie. Hier stehen noch unzählige Kirchen aus dieser Zeit (es gab damals mehr Kirchen als in Rom). Auch in Panaji, seit 1843 Hauptstadt von Goa, ist der portugiesische Einfluss spürbar. Am interessantesten  fanden wir die größte Kirche der Stadt – Our Lady of Immaculate Conception.

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Old Goa: Kirchen im portugiesischen Kolonialstil soweit das Auge reicht

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Kirche Our Lady of Immaculate Conception in Panjim

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Panjim

Morgen geht es für uns mit dem Flugzeug weiter nach Delhi. Wir verlassen Goa und vor allem Agonda Beach mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Wir haben die Zeit hier sehr genossen: Gutes Essen, nette Leute, toller und ruhiger Strand, Lennys 1 ½ stündige Massage für 1000 Rupien (umgerechnet 13 €), die leckeren Fruchtsäfte, Strandspaziergänge, die extrem coolen Flughunde und vieles mehr. Doch langsam ist es auch Zeit wieder weiter zu ziehen und neue Abenteuer zu erleben.

Namasté! Caro & Lenny

One thought on “Goa: Willkommen im Paradies

  1. Hallo Ihr 2 , Ich habe heute (10.4.16) Eure Weltreisebericht und die Bilder gesehen!! Ich freu mich sehr,daß Ihr gut angekommen seid und die ersten Eindrücke und Erlebnisse mehr positiv als negativ waren!! Das bisher gepostete macht einen fast “neidisch” , freud einen aber auch, daß Ihr das erleben dürft und ich hoffe, es folgen noch sehr viele solcher “Abenteuer”, genauso wie ich Euch folgen werde und schon gespannt bin was Ihr noch alles erlebt !!!! Wünsche Euch, daß Ihr gesund bleibt,geniesst die Welt live zusehen und die vorher gebildeten Meinungen zu bestätigen aber auch zu wiederlegen und sich eines Besseren belehren zu lassen, denkt an Uns wie Wir an Euch denken und “versorgt” uns mit mehr tollen “Geschichten” Eurer (TRAUM)WELTREISE!!!!!!!! Alles Liebe und Gute für Euch, der Herr beschütze Eure Wege !!!
    Namaste, Ralf 🙂

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