Schwimmende Gärten, Pagoden und tanzende Puppen: Inle-See und Mandalay

Immer noch total begeistert und mit vielen tollen Eindrücke aus Bagan im Gepäck, geht unserer Reise durch Myanmar weiter. Mit dem Bus machen wir uns auf den Weg ins ca. 320 km entfernte Nyaung Shwe, das Ganze dauert wieder ca. 7 Stunden. Man gewöhnt sich langsam an das ständige Busfahren. Auf der Fahrt quält sich unser Bus auf der engen Passstraße über die Berge und ist manchmal ganz schön nah am (ungesicherten) Abgrund. Als wir in Nyaung Shwe ankommen, müssen wir auch hier wieder eine „Touristengebühr“ bezahlen. Der Ort ist nur ca. 5 km vom Inle-See entfernt und wird daher auch oft als „touristisches Tor“ zum See bezeichnet. Nyaung Shwe ist nicht sehr groß, es gibt viele (vor allem auf Touristen ausgelegte) Restaurants mit Pizza, Pasta und Pancakes. Hotels und Gästehäuser gibt es reichlich. Der Ort gilt als das älteste der 200 Intha-Dörfer des Sees. Intha, so nennen sich die Menschen die hier in und um den See herum leben. Übersetzt bedeutet es nichts anderes als „die Leute vom See“. Insgesamt gehören ca. 70 000 Bewohner zu dieser Ethnie. Die Dörfer die sich auf dem See befinden, bestehen aus Stelzenhäusern. Das gesamte Leben der Bewohner spielt sich auf dem See ab: Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Verkehr. Die Intha leben größtenteils vom Fischfang und dem Gemüseanbau, heute aber natürlich auch vom Tourismus. Am kleinen Hafen buchen wir bei einem der Fahrer eine Tagestour. Die Fahrt auf dem See ist richtig entspannend, auch wenn das Wetter am Tag unserer Tour nicht das Beste ist. Man merkt langsam wie die Regenzeit in Asien beginnt, dunkle Wolken ziehen auf und es tröpfelt immer wieder leicht. Vom richtig schlimmen Monsunregen bleiben wir aber noch verschont. Irgendwie sind die „kühleren“ Temperaturen, nach der manchmal unerträglichen Hitze der letzten Monate, auch ganz angenehm. Während wir mit unserem Longtail-Boot über den Inle-See düsen, friere ich sogar ein bisschen.

Auf unserer Tour begegnen wir den, für den Inle-See typischen, Einbeinruderern. Die Fischer klemmen sich das Ruder hinter eines ihrer Beine, mit dem anderen balancieren sie auf dem Boot. So haben sie beide Arme frei um mit Netzen oder Körben Fische zu fangen und können trotzdem das Boot manövrieren. Ziemlich clever! Sehr einfallsreich sind auch die schwimmenden Gärten der Intha, die sich mitten im See befinden. In oft 100 Meter langen und ein Meter breiten Gartenstreifen wachsen hier Tomaten, Gurken, Auberginen, Bohnen, Blumen und Salat.

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Einbeinruderer auf dem Inle-See

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Schwimmende Gärten

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Auf unserer Tour besuchen wir auch eine Weberei, von diesen gibt es einige hier, rund 500 Weberinnen sollen auf dem See arbeiten. In einem der Stelzenhäuser sitzen mehrere Frauen hinter stetig klappernden Webstühlen und verarbeiten die (ebenfalls für den Inle-See typischen) Lotuspflanzen. Der Stängel der Pflanze wird in der Mitte durchgebrochen und die beiden Hälften auseinandergezogen, dadurch kommen hauchdünne Fäden zum Vorschein, die dann weiterverarbeitet werden. Da man unendlich viele dieser Lotusfäden braucht, kostet ein Schal aus Lotusseide auch ein kleines Vermögen. Leider viel zu teuer für uns. Wir fahren weiter und lassen uns die Produktion der sogenannten Cheeroot, burmesische Zigarren, zeigen. Der Tabak der Zigarren besteht aus Cheroot-Blättern, vermischt mit Holz des Baumes und einer Mischung aus Zusätzen wie Tamarindensaft, Holzstückchen, Bananen, Nüssen und Palmzucker. Der Filter der Zigarre besteht aus Maisblättern. Die Zigarre wird durch ein Blatt zusammengehalten. Lenny ist total fasziniert von den Zigarren und weil wir keine ganze Packung mit 20 Stück kaufen wollen (wir Rauchen ja eigentlich nicht), schenkt uns der nette Burmese dort kurzerhand zwei (mit Bananengeschmack!).

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Auf dem See gibt es auch einige Pagoden und Klöster. Die bekannteste Pagode ist die Phaung Daw Oo Pagode. In der Pagode befinden sich fünf heilige Buddha-Statuen. Da auch hier von Gläubigen ständig Blattgold aufgetragen wird, sehen die Buddha-Statuen verformt aus und sind kaum noch als das zu erkennen, was sie einmal waren. Weiter geht es zum Nga Phe Kyaung-Kloster, ein 160 Jahre altes Kloster. Es wird auch Monastery of The Jumping Cats genannt, da die Mönche hier früher Katzen dressierten und diese durch kleine Reifen springen ließen. Heute gibt es diese Vorführungen nicht mehr, aber Katzen gibt es noch genug im Kloster. Die müssen jetzt aber nicht mehr durch Reifen springen, sondern gehen der Lieblingsbeschäftigung aller Katzen nach – Schlafen.

Den Rest unserer Zeit in Nyaung Shwe verbringen wir zusammen mit Marc und Romina im besten Pancake-Restaurant der Stadt, dem Pancake Kingdom. Wer kann schon dem Schild mit der Frage „Are you tired of rice?“ widerstehen? Außerdem irren wir quer durch die Stadt um einen funktionierenden ATM zu finden und entdecken einige kuriose Dinge auf dem Markt.

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Phaung Daw Oo Pagode

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Nga Phe Kyaung-Kloster (Katzen Kloster)

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Der letzte Stopp unserer Myanmar-Reise ist Mandalay. Mandalay ist nach Yangon die zweitgrößte Stadt in Myanmar, knapp 1,6 Millionen Menschen leben hier. Auf der Fahrt dorthin müssen wir diesmal auf einen komfortablen Bus verzichten und stattdessen in einem kleinen Minivan Platz nehmen. Neben zwei anderen Deutschen sind sonst nur Burmesen mit an Bord, ständig steigen Passagiere ein und wieder aus. Wir haben auch eine Menge Waren geladen und halten öfters mal an, unser Fahrer bekommt dann Geld und lädt die Pakete aus. Die Fahrt zieht sich ganz schön und irgendwann ist von der Klimaanlage auch nichts mehr zu spüren. Kurz bevor wie Mandalay erreichen, kommen wir dann auch noch an einem Unfall vorbei. Ein Minivan war in den Straßengraben gefahren und seitlich umgekippt. Eine Frau wird mit blutendem Bein in einen “Krankenwagen“ verfrachtet, das gibt einem nicht wirklich ein sicheres Gefühl. In Mandalay angekommen treffen wir Romina, Marc, Gemma und Karl wieder. Wir verbringen einen netten und witzigen Abend in einem typischen burmesischen Restaurant (= Restaurant mit Plastiktischen und Plastikstühlen, Fried Rice with Vegetables und viel Myanmar Bier). Ein Burmese vom Nebentisch schenkt uns eine Tüte seines „Snacks“ bestehend aus Grillen eingelegt in einer Soße. Wir probieren alle was davon (außer Lenny, der traut sich nicht). Am nächsten Tag fliegen die Vier schon weiter nach Bangkok. Romina und Marc werden wir in Chiang Mai in Thailand wiedersehen, Gemma und Karl fliegen weiter nach Japan.

Auf unserem Plan in Mandalay steht zunächst der Königspalast. Die gesamte Anlage wird von einem Wassergraben und einer zusätzlichen Mauer umschlossen. Als wir endlich den Eingang auf der Ostseite erreichen, sind wir schon ziemlich fertig. Es ist wieder unglaublich heiß und der Weg vom Hotel war doch länger als wir dachten. Am Eingang kaufen wir das Kombiticket, das für so gut wie alle Sehenswürdigkeiten in Mandalay gilt. Im Reiseführer erfahren wir, dass dieses Ticket nach etlichen Beschwerden von Touristen über zu hohe Eintrittspreise eingeführt wurde. Gut für uns! Beim Betreten der Anlage stellen wir fest, dass der Großteil des Areals aus Garten besteht und die Palastanlage im Inneren nur einen kleinen Teil davon einnimmt. Viele Bereiche sind für Besucher nicht zugänglich, die burmesische Armee hat einen Stützpunkt hier und es wimmelt von Soldaten. Durch einen Brand im Jahr 1945 wurde die Palastanlage vollständig zerstört, die Gebäude die sich nun dort befinden sind Rekonstruktionen aus den 1990er Jahren. Uns gefallen die Gebäude trotzdem und wir besteigen den runden Aussichtsturm und betrachten alles nochmal von oben. Als wir den Königspalast verlassen, werden wir von einem Taxifahrer angesprochen und einigen uns auf eine Tour mit ihm. Die nächsten Ziele wären unmöglich zu Fuß zu erreichen und wir sind auch schon etwas müde. So geht es mit dem Taxifahrer (und seiner Schwester auf dem Beifahrersitz) weiter zur Kuthodaw Pagode. Diese besteht aus 729 kleinen, weißen Stupas in denen sich je eine Marmorplatte befindet. Auf den Marmorplatten wurden die Lehrern Buddhas niedergeschrieben, weshalb die Pagode auch als „größtes Buch der Welt“ bezeichnet wird. In der Mitte der Anlage befindet sich die vergoldete Maha Lawka Marazein Pagode. Wir schlendern zwischen den Stupas entlang, Lenny hilft einem kleinen burmesischen Jungen bei den Englisch-Hausaufgaben (der ist aber so gut und braucht eigentlich gar keine Hilfe) und ich bewundere die Marionettenköpfe die man an einem kleinen Stand kaufen kann. Von den beiden Klöstern, die wir als nächstes besichtigen, gefällt uns das Shwenandaw Kyaung Kloster am besten. Das Gebäude ist aus Teakholz und mit wunderschönen und beeindruckenden Schnitzereien überzogen. Bis 1880 stand es noch im Königspalast, danach wurde es abgerissen und außerhalb der Palastmauern wieder aufgebaut. Somit ist es das einzige erhaltene Gebäude des originalen Königspalastes. Das Highlight in Mandalay ist definitiv der 240 m hohe Mandalay Hill. Der ganze Berg ist heilig und wir müssen unsere Schuhe im Auto lassen. Über mehrere Rolltreppen gelangen wir auf die Plattform. Von hier oben hat man einen atemberaubenden Ausblick über Mandalay. Zum Schluss unserer Tour besuchen wir die zweitwichtigste Pagode Myanmars, die Mahamuni Pagode. Die Buddha-Statue im Inneren soll noch zu Lebzeiten Buddhas entstanden sein und auch hier wird wieder fleißig Blattgold angeklebt.

Während der restlichen Zeit in Mandalay besuchen wir einen Thanaka-Shop. Thanaka ist eine gelblich-weiße Paste, die aus der Rinde des Indischen Holzapfelbaumes hergestellt wird. Frauen und Kinder in Myanmar streichen sich diese Paste ins Gesicht, sozusagen als Make-up. Es soll die Haut jünger aussehen lassen und auch gegen UV-Strahlung schützen. Man kann Thanaka entweder als fertig gemahlene Paste kaufen oder man entscheidet sich für die ganzen Holzstücke mit dazugehörigem Reibestein. Ich nehme dann doch lieber die fertige Paste, so eine Steinplatte ist ganz schön schwer im Rucksack. Ich kann auch nicht wiederstehen, einen traditionellen Longyi zu kaufen. Ein Wickelrock der sowohl von Männern als auch von Frauen in Myanmar getragen wird. Zum Schluss besuchen wir noch ein traditionelles burmesisches Marionetten-Theater. Von den Marionetten-Spielern werden alte Geschichten und Legenden aus Myanmar nacherzählt und die Marionetten sind einfach nur wunderschön gestaltet.

Von Myanmar fliegen wir weiter nach Chiang Mai in Thailand, was wir dort alles erlebt haben, erzählen wir euch das nächste Mal!

Kyay tzu tin pa te! Caro & Lenny

(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

One thought on “Schwimmende Gärten, Pagoden und tanzende Puppen: Inle-See und Mandalay

  1. Hallo Caro und Lenny, frued mich,daß es Euch so gut geht und Euer “Trip” so toll weitergeht !!!!
    Die Bilder und der Bericht sind wieder sehr schön und interisant 🙂 !!!! Weiterhin eine tolle Zeit,
    bleibt gesund und munter,bis zum nächsten mal; Euer Verfolger !!!

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